Vermeintlich guter Rat.....?

Interessanterweise kann eine zu schnelle oder erhöhte Nahrungsaufnahme nach längerer Pause bei der Nahrungsaufnahme ebenfalls zu schweren Schäden führen.
Mit langsam steigender WT ein aktuelles Thema.
Bei ( hier um die 6 grad ) sind die Paddler nun deutlich aktiver, sprich bewegen sich vermehrt bettelnd an der Oberfläche.
Das verleitet schnell zur Futter Erhöhung.
Wenns auch schwer fällt, sollte man sich bremsen.
Dazu aktuelle Wetterkapriolen in Auge behalten sowieso.
 
Die physiologischen Herleitungen im Eingangspost sind zwar detailliert, lassen aber den entscheidenden Faktor der Enzymkinetik fast völlig außer Acht.


Das eigentliche Problem im Winter ist nicht die Fütterung an sich, sondern die Zusammensetzung der Makronährstoffe. Wir müssen uns klarmachen: Der Koi besitzt bei Temperaturen unter 10–12 °C so gut wie keine aktive Amylase mehr. Das bedeutet, er kann Kohlenhydrate (NFE) technisch nicht aufschließen.


Wenn nun zwei Wochen gefastet wird, nur um danach wieder ein Standard-'Winterfutter' mit hohem Getreideanteil (hoher NFE-Wert) zu füttern, schaden wir dem Fisch doppelt:


  1. Zuerst zehren wir die Reserven durch das Fasten aus (Stress/Cortisol).
  2. Dann füttern wir Stoffe, die im Darm mangels Enzymen nicht verdaut werden, sondern dort gären.

Ein zweiwöchiger Futterstopp ist eigentlich nur ein 'Notbehelf' für minderwertiges, kohlenhydratlastiges Futter. Wer ein echtes Low-NFE-Futter (hoher Anteil an Fischöl/Fischprotein, minimaler Stärkeanteil) verwendet, muss den Fisch nicht zwei Wochen hungern lassen. Er hält die Darmperistaltik mit kleinsten Mengen aufrecht, ohne das Tier durch Gärprozesse oder Energiemangel zu schwächen.


Mein Fazit: Nicht die Temperatur bestimmt, ob wir fasten müssen, sondern die Qualität und die biologische Verwertbarkeit des Futters bei dieser Temperatur."

Grüssle
 
Es ist definitiv Marketing und Tradition. Die Hersteller bewerben "Winterfutter" oft mit dem Argument der leichten Verdaulichkeit und der "Weizenkeim"-Vorteile, verschweigen aber die enzymatische Hürde für Kohlenhydrate bei Kälte.

"Dass viele Hersteller (wie bei Wheat-Germ-Varianten) immer noch auf hohe Getreideanteile setzen, liegt oft an traditionellen Rezepturen und der technischen Herstellbarkeit von Pellets. Schaut man sich aber die Enzymkinetik der Amylase an, ist ein hoher NFE-Gehalt unter 10°C biologisch einfach nicht verwertbar.

Wenn das Futter im Winter zu 30-40 % aus Stoffen besteht, die der Fisch enzymatisch gar nicht knacken kann, provozieren wir genau die Gärprozesse im Darm, die wir durch Fastenpausen zu verhindern glauben. Ein modernes Winterfutter sollte über hydrolysierte Proteine und Lipide kommen, nicht über Stärke."
 
Schweine :-) ... wirtschaftlich gesehen hervorragende Leistung . Aber schon irgendwie wahnsinn, das das heute noch ein fundamentales Gedankengut ist und so vermarktet wird. Ist in der Angelindustrie ebenfalls weit verbreitet. Da fliegen Tonnen von Kohlehydrat Murmeln in die Gewässer ...
 
Wenn es sich dabei um enzymatisch aufgeschlossenes Getreide handelt ( wovon ich in den meisten Fällen nicht ausgehe ) wäre es aber vertretbar? Fraglich hier, ob es so aufgeschlossen ist, wie der Koi es braucht -oder spielt die Art der aufschließenden Enzyme hier eher eine untergeordnete Rolle und das Ergebnis ist am Ende das selbe, weil die Nahrung besser verwertet werden kann?
 

1. Was bedeutet "aufgeschlossen" eigentlich?​


In der Futtermittelherstellung geschieht das Aufschließen meistens mechanisch-thermisch durch den Extruder (Hitze und Druck). Dabei wird die kristalline Struktur der Stärke zerstört (sie "verkleistert").


  • Der Vorteil: Die Stärke wird wasserlöslich und für Enzyme theoretisch leichter angreifbar.
  • Das Problem beim Koi: Auch wenn die Stärke "vorgekaut" (aufgeschlossen) ist, bleibt sie chemisch gesehen eine Kette aus Zuckermolekülen. Um diese Kette im Körper in Energie zu verwandeln, benötigt der Koi zwingend das Enzym Amylase. Wenn dieses Enzym bei 6 °C temperaturbedingt fast nicht vorhanden ist, nützt auch das beste thermische Aufschließen wenig. Die "Tür" zum Stoffwechsel ist einfach verschlossen.

2. Enzymatisch aufgeschlossenes Getreide​


Wäre das Getreide tatsächlich vorab enzymatisch (z. B. durch Fermentation) in Einfachzucker zerlegt worden, könnte der Koi die Energie theoretisch direkt über die Darmschleimhaut aufnehmen, ohne selbst Enzyme aufwenden zu müssen.


  • Aber: Das macht kaum ein Hersteller. Warum? Weil freier Zucker im Futter das Wasser extrem belastet, die Pellets klebrig macht und den Blutzuckerspiegel des Fisches (der auf Protein/Fett ausgelegt ist) gefährlich Achterbahn fahren lässt.
  • Ergebnis: Da die meisten Hersteller nur thermisch (Extruder) aufschließen, bleibt das Ergebnis für den Koi im kalten Wasser dasselbe: Er bekommt einen Sack voll Energie geliefert, für den er keinen "Schlüssel" (Amylase) hat.

3. Ist es also Marketing?​


Ja, zu einem großen Teil. * Das Argument der Hersteller: "Leicht verdaulich" bezieht sich oft darauf, dass das Futter im Wasser weniger quillt oder die Eiweiße (wie beim Weizenkeim) hochwertiger sind als in billigem Fischmehl.


  • Die biologische Wahrheit: Sie verschweigen, dass der Kohlenhydrat-Anteil (NFE) bei Kälte eine biologische Sackgasse ist. Ein echtes High-End-Winterfutter bräuchte eigentlich kaum Getreide, sondern hydrolysierte Proteine (schon in Aminosäuren zerlegt) und hochwertige Lipide. Aber das wäre pro Sack doppelt so teuer und würde im Regal nach 3 Monaten ranzig riechen.
 
Der Koi besitzt bei Temperaturen unter 10–12 °C so gut wie keine aktive Amylase mehr. Das bedeutet, er kann Kohlenhydrate (NFE) technisch nicht aufschließen.
Wie kommst du darauf Jörg?
Kohlenhydrate für Koi sind gerade im Winter leicht verdaulich.
Gute Kohlenhydratquelle sind Weizenkeime und werden vom Koi gerade bei niedrigen Temperaturen unter deinen genannten
10-12° gut verdaut.

3. Ist es also Marketing?​


Ja, zu einem großen Teil. * Das Argument der Hersteller: "Leicht verdaulich" bezieht sich oft darauf, dass das Futter im Wasser weniger quillt oder die Eiweiße (wie beim Weizenkeim) hochwertiger sind als in billigem Fischmehl.
Würde ich nicht als Marketing in deinem Sinn ansehen, sondern als wichtigen Bestandteil eines Winterfutters für niedrige Temperaturen.
. Ein echtes High-End-Winterfutter bräuchte eigentlich kaum Getreide, sondern hydrolysierte Proteine
Ja hydrolysierte Proteine sind sicherlich gut.
Aber sicherlich keine tierischen hydrolysierte Proteine!!!
sondern pflanzliche hydrolysierte Proteine die da wären aus Weizen, Erbsen und Soja.
 
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