Die physiologischen Herleitungen im Eingangspost sind zwar detailliert, lassen aber den entscheidenden Faktor der
Enzymkinetik fast völlig außer Acht.
Das eigentliche Problem im Winter ist nicht die Fütterung an sich, sondern die
Zusammensetzung der Makronährstoffe. Wir müssen uns klarmachen: Der Koi besitzt bei Temperaturen unter 10–12 °C so gut wie keine aktive
Amylase mehr. Das bedeutet, er kann Kohlenhydrate (NFE) technisch nicht aufschließen.
Wenn nun zwei Wochen gefastet wird, nur um danach wieder ein Standard-'Winterfutter' mit hohem Getreideanteil (hoher NFE-Wert) zu füttern, schaden wir dem Fisch doppelt:
- Zuerst zehren wir die Reserven durch das Fasten aus (Stress/Cortisol).
- Dann füttern wir Stoffe, die im Darm mangels Enzymen nicht verdaut werden, sondern dort gären.
Ein zweiwöchiger Futterstopp ist eigentlich nur ein 'Notbehelf' für minderwertiges, kohlenhydratlastiges Futter. Wer ein echtes Low-NFE-Futter (hoher Anteil an Fischöl/Fischprotein, minimaler Stärkeanteil) verwendet, muss den Fisch nicht zwei Wochen hungern lassen. Er hält die Darmperistaltik mit kleinsten Mengen aufrecht, ohne das Tier durch Gärprozesse oder Energiemangel zu schwächen.
Mein Fazit: Nicht die Temperatur bestimmt, ob wir fasten müssen, sondern die Qualität und die biologische Verwertbarkeit des Futters bei dieser Temperatur."
Grüssle