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Beitrag
<blockquote data-quote="Mikrobiologie" data-source="post: 412277" data-attributes="member: 7611"><p>Hallo Ludger,</p><p></p><p>warum sollte ein Überangebot an Futter nicht zu gutem Wachstum führen?</p><p></p><p>Bis vor einiger Zeit habe auch ich die Meinung vertreten, häufigeres Füttern erhöht die Effektivität des Futters für die Koi. Diese Ansicht ist wohl nicht richtig. Koi haben bekanntlich keinen Magen, der in anderen Tieren als „Vorratsspeicher“ (neben dem eigentlichen Zweck der Verdauung) dient. Selbst unter optimalen Bedingungen braucht ein Koi 4-6 Stunden bis er das Futter nahezu vollständig verwertet hat. Daher ist es auch nicht überraschend, dass bei Fütterungsversuchen von Karpfen eine Futterfrequenz von 4 mal am Tag sich als optimal erwiesen hat um das Futter besonders effizient zu verwerten. Die Frequenzen 1-2 mal und 6-7 mal zeigten schlechtere Ergebnisse. Besonders ungünstig bezüglich der Futterverwertung erwiesen sich die Selbst-Feeder. </p><p>Zur Erklärung dieser Ergebnisse wurde auf die Tatsache verwiesen, dass der Karpfen/Koi bei Futteraufnahme, vereinfacht ausgedrückt, erst mal Platz für das neue Futter in seinem Verdauungstrakt schafft. Das neue Futter regt die Peristaltik des Verdauungstraktes an. Er scheidet vorher gefressenes Futter teilweise aus, egal ob es schon vollständig verdaut ist, oder die verwertbaren Bestandteile in der aufgeschlossenen Futtermasse absorbiert wurden. Daher geht ein Teil des Futters ungenutzt durch den Koi und belastet die Biologie des Teiches. Ein höherer Fettgehalt verstärkt diesen Trend, wobei hier noch weitere Effekte hinzukommen. Durch hohe Fettgehalte und hohe Futterfrequenz wird die Absorbtion von Phosphat gestört, es entsteht ein Defizit an Phosphor im Koi. Außerdem wird die Verdaulichkeit der Proteine reduziert. Keine Rolle spielte die Fütterungszeit, egal ob am Tage oder in der Nacht, die Verwertung des Futters zeigte keinen signifikanten Unterschied.</p><p>Häufiges Füttern, besonders von Futter mit sehr hohem Protein und Fettgehalt, belastet den Geldbeutel, die Koi und die Teichbiologie. Die Effizienz des Futters kann, je nach vorhandenen Parametern, gut 15-20% reduziert sein. Um die gleiche Größenordnung erhöht sich die biologische Belastung des Systems.</p><p>Interessanterweise führten vergleichbare Versuche mit Regenbogenforellen zu einem etwas anderen Resultat. Hier waren unterschiedliche Futterfrequenzen nicht so entscheidend bei der Futterverwertung.</p><p>Gerne wird bei diesem Thema das natürliche Fressverhalten der Karpfen/Koi angeführt. Dies ist aus meiner Sicht nicht so ohne weiteres zulässig. Die Parameter der Naturhaltung und Teichhaltung sind nicht miteinander vergleichbar. In der Natur frisst der Karpfen solange er was findet (man weiß ja nie wie lange es was gibt), er muss dafür nicht bezahlen und wenn er den Standort durch sein Fressverhalten „vergiftet“ hat, wechselt er ihn und schwimmt weiter. All dies trifft für den Koiteich wohl kaum zu.</p><p></p><p>Ich belehre nicht. Ich gebe Informationen. Was der Einzelne damit anfängt ist seine Sache.</p><p></p><p>Es gibt viele Mythen in der Koihaltung und speziell beim Futter (z.B. die ach so bösen Kohlenhydrate). Dass das stetige Füttern per Automat (10-15 mal) besser sein soll als das "zugeteilte" (4 mal) Futter gehört inzwischen aus meiner Sicht auch zu diesen Mythen.</p></blockquote><p></p>
[QUOTE="Mikrobiologie, post: 412277, member: 7611"] Hallo Ludger, warum sollte ein Überangebot an Futter nicht zu gutem Wachstum führen? Bis vor einiger Zeit habe auch ich die Meinung vertreten, häufigeres Füttern erhöht die Effektivität des Futters für die Koi. Diese Ansicht ist wohl nicht richtig. Koi haben bekanntlich keinen Magen, der in anderen Tieren als „Vorratsspeicher“ (neben dem eigentlichen Zweck der Verdauung) dient. Selbst unter optimalen Bedingungen braucht ein Koi 4-6 Stunden bis er das Futter nahezu vollständig verwertet hat. Daher ist es auch nicht überraschend, dass bei Fütterungsversuchen von Karpfen eine Futterfrequenz von 4 mal am Tag sich als optimal erwiesen hat um das Futter besonders effizient zu verwerten. Die Frequenzen 1-2 mal und 6-7 mal zeigten schlechtere Ergebnisse. Besonders ungünstig bezüglich der Futterverwertung erwiesen sich die Selbst-Feeder. Zur Erklärung dieser Ergebnisse wurde auf die Tatsache verwiesen, dass der Karpfen/Koi bei Futteraufnahme, vereinfacht ausgedrückt, erst mal Platz für das neue Futter in seinem Verdauungstrakt schafft. Das neue Futter regt die Peristaltik des Verdauungstraktes an. Er scheidet vorher gefressenes Futter teilweise aus, egal ob es schon vollständig verdaut ist, oder die verwertbaren Bestandteile in der aufgeschlossenen Futtermasse absorbiert wurden. Daher geht ein Teil des Futters ungenutzt durch den Koi und belastet die Biologie des Teiches. Ein höherer Fettgehalt verstärkt diesen Trend, wobei hier noch weitere Effekte hinzukommen. Durch hohe Fettgehalte und hohe Futterfrequenz wird die Absorbtion von Phosphat gestört, es entsteht ein Defizit an Phosphor im Koi. Außerdem wird die Verdaulichkeit der Proteine reduziert. Keine Rolle spielte die Fütterungszeit, egal ob am Tage oder in der Nacht, die Verwertung des Futters zeigte keinen signifikanten Unterschied. Häufiges Füttern, besonders von Futter mit sehr hohem Protein und Fettgehalt, belastet den Geldbeutel, die Koi und die Teichbiologie. Die Effizienz des Futters kann, je nach vorhandenen Parametern, gut 15-20% reduziert sein. Um die gleiche Größenordnung erhöht sich die biologische Belastung des Systems. Interessanterweise führten vergleichbare Versuche mit Regenbogenforellen zu einem etwas anderen Resultat. Hier waren unterschiedliche Futterfrequenzen nicht so entscheidend bei der Futterverwertung. Gerne wird bei diesem Thema das natürliche Fressverhalten der Karpfen/Koi angeführt. Dies ist aus meiner Sicht nicht so ohne weiteres zulässig. Die Parameter der Naturhaltung und Teichhaltung sind nicht miteinander vergleichbar. In der Natur frisst der Karpfen solange er was findet (man weiß ja nie wie lange es was gibt), er muss dafür nicht bezahlen und wenn er den Standort durch sein Fressverhalten „vergiftet“ hat, wechselt er ihn und schwimmt weiter. All dies trifft für den Koiteich wohl kaum zu. Ich belehre nicht. Ich gebe Informationen. Was der Einzelne damit anfängt ist seine Sache. Es gibt viele Mythen in der Koihaltung und speziell beim Futter (z.B. die ach so bösen Kohlenhydrate). Dass das stetige Füttern per Automat (10-15 mal) besser sein soll als das "zugeteilte" (4 mal) Futter gehört inzwischen aus meiner Sicht auch zu diesen Mythen. [/QUOTE]
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