Schwimmblase
Koi sind physostome Fische, das heißt, dass Darm und Schwimmblase bei ihnen miteinander verbunden sind. Sie sind dadurch in der Lage, sehr schnell auf- und abtauchen zu können. Über einen Ductus pneumaticus zum Vorderdarm kann Gas aus der Schwimmblase schnell entweichen. Bei sehr schnellem Auftauchen entweicht Gas über das Maul.
In 10 Metern Tiefe herrscht 1 Atmosphäre Druck über dem Koi. Dieser Druck lastet auch auf der gasgefüllten Schwimmblase und dem umliegenden Gewebe. Die Schwimmblase wird komprimiert.
Beim Auftauchen dehnt sich die Schwimmblase mit abnehmendem Druck aus, die mittlere Dichte des Fisches nimmt ab. Der Koi würde also ohne Regulierungsmöglichkeit wie ein Schwimmkörper an die Wasseroberfläche getrieben werden.
Um sein Gewicht im Wasser zu regeln muss ein Koi beim Auftauchen Gas aus der Schwimmblase entlassen.
Beim Abtauchen muss dagegen über die Gasdrüse Gas in die Schwimmblase abgegeben werden. Der Vorgang ist also das genaue Gegenteil des fliegenden Gasballons, der Gas entläßt, um aufzusteigen!
Die Schwimmblase sorgt dafür, dass ein Koi sein spezifisches Gewicht im Wasser regulieren kann und ohne Energieaufwand im Wasser schweben kann.
Typische Krankheitssymptome:
Koi sitzt auf dem Teichboden auf (hat bald auch aufgelegene Stellen am Bauch, besonders am Flossenansatz der Bauchflosse und vor dem After).
Er zeigt mühsame Schwimmbewegungen beim Auftauchen („schwimmt wie ein Hai“, „schlängelt sich beim Schwimmen“), aber keine Gleichgewichtsstörungen.
Hört er auf aktiv zu schwimmen, z.B. wenn man den Koi betäubt ins Becken einsetzt, dann wird er sofort schnell Absinken, da er deutlich schwerer ist als Wasser.
Pathologisch-anatomisch finden sich folgende Veränderungen:
Seröse bis eitrige Entzündungen mit wässrigem bis schleimig-eitrigem Inhalt und Geschwüren bei chronischem Verlauf.
(Fast) nie wachsen Bakterien in der Flüssigkeit, da sie meist ein Transudat aus der Niere darstellt.
Im warmen Teich kann es sich um den Anfang einer infektiös bedingten Schwimmblasenentzündung (SBE) handeln.
Häufig bricht die Krankheit aus bei schnell absinkenden Wassertemperaturen, was vermutlich mit einer veränderten Gaslöslichkeit im Blut zusammenhängt. Dies hat Auswirkungen auf die Gasabgabe durch die Gasdrüse. Der Druck der umliegenden Gewebe auf die Schwimmblase und Niere steigt.
So könnte das sterile (nicht infizierte) Transsudat in der Schwimmblase zu erklären sein.
Kumonryu sind für die Schwimmblasenentzündung sehr anfällig, was genetische Ursachen hat.
Schwimmblasenentzündung (SBE) als Parasiteninfektion (Myxosporidien)
Bei Karpfenbrütlingen ab ca. 1 cm Körperlänge kann SBE als Infektion durch Einzeller im Naturteich entstehen. Diese Erkrankung kann bis zu 50% Todesrate hervorrufen. Sie hinterlässt bei den überlebenden Brütlingen teilweise Schäden an der Schwimmblase, typisch für einen überstanden Infektion ist eine verkleinerte hintere Schwimmblasenkammer.
Behandlung von Schwimmblasenentzündungen
Wichtig ist Wärme (über 23°C!)
Dazu Dauersalzbäder zur Entlastung der Nierentätigkeit, zu Erhöhung des Auftriebes und Verbesserung des Energiehaushaltes (denn das Auftauchen ohne funktionierende Schwimmblase kostet den Koi viel Energie).
Zur Ausheilung sind daher flache, jedoch beheizbare Becken unter 50 cm am besten.
Man kann die Schwimmblase punktieren und Flüssigkeit absaugen. In manchen Fällen kann das Einspritzen von Antibiotika bei entzündlichen Prozessen nützlich sein, denn die Schwimmblase ist systemisch durch Injektionen in die Muskulatur schlecht erreichbar.