Brauche dringend Rat

Hallo Jörg,

dein Beitrag ist möglicherweise doch etwas aus den Zusammenhang genommen.
Dieser Satz aus deinen etwas aus den Zusammenhang genommenen Beitrag lässt darauf schließen.

"Stoffwechsel insgesamt stark eingeschränkt sind, auch wenn die Fähigkeit zur Verdauung grundsätzlich vorhanden ist."

Vielleicht sollte man doch nicht zu viel oder allen Parallelen zwischen Teichwirtschaft/ Aquakultur und Hobbyteich ziehen bzw
übernehmen.
 
Veränderungen im Stoffwechsel, der Physiologie und der Energiebilanz der Koi bei niedrigen Wassertemperaturen Teil 1

Karpfen reduzieren den Gesamtstoffwechsel durch dessen Verlangsamung bei niedrigeren Temperaturen, wodurch der Energiebedarf sinkt, aber eine effiziente Funktion erforderlich ist.
Wichtige Enzyme erhöhen ihre Aktivität, um die Stoffwechselprozesse in der Kälte zu unterstützen.
Die Kälteakklimatisierung geht mit komplexen Veränderungen einher, wobei bestimmte Gene z.B. in Geweben wie Herz und Gehirn aktiviert werden.

Das Herz passt sich konsequent den Wassertemperaturen an und reduziert teilweise dramatisch seine Herzschlagrate. Diese kann bis auf 2-3 Schläge pro Minute fallen. Karpfenherzen wachsen bei niedrigeren Temperaturen (z. B. 5 °C) an Größe um die erhöhte Blutviskosität und die verminderte Kontraktilität auszugleichen. Das Herz erhält seine Funktion aufrecht, indem es Glykogenspeicher nutzt und Stoffwechselwege verändert, wodurch der Energiebedarf bei längerer Kälte/Sauerstoffmangel möglicherweise reduziert wird.

Die Nieren müssen härter arbeiten, um das innere Wasser-/Salzgleichgewicht (Osmoregulation) aufrechtzuerhalten, was einen erheblichen Energieverbrauch bedeutet, insbesondere wenn auch die Wasserqualität (Salzgehalt) eine Rolle spielt. Die Nieren aktivieren antioxidative Enzyme, um mit kältebedingtem oxidativem Stress fertig zu werden, was Energie verbraucht. Die Nierenfunktion und Stress-Biomarker können ansteigen, was einen höheren Energieverbrauch für Reparatur/Erhaltung anzeigt.

Der Energieverbrauch der Leber erhöht sich da der Kältestress die Leber zwingt, Glykogen (Kohlenhydrate) und Lipide (Fette) als Brennstoff abzubauen. Veränderte Biomarker deuten auf erhöhten oxidativen Stress und einen veränderten Lipid-/Glukosestoffwechsel hin und weisen auf einen hohen Energiebedarf hin.

Untersuchungen bei Karpfen zeigten erhebliche Unterschiede zwischen gefütterten und nicht gefütterten Karpfen nach dem Winter bei Kiemen, Haut und Verdauungstrakt auf. Nicht gefütterte Karpfen hatten dickere Kiemen, dünnere Haut und einen angegriffenen Verdauungstrakt, ganz im Gegensatz zu gefütterten Karpfen. Diese Veränderungen machten sie anfälliger für Krankheiten im Frühjahr.

Neben der Temperatur ist die Sauerstoffsättigung ein wichtiger Faktor für die Aufnahme/Verwertung von Futter durch die Karpfen/Koi. Immer wieder wird die Sauerstoffsättigung des Wassers im Winter unterschätzt. Dies gilt vor allem bei zugefrorenen oder abgedeckten Teichen. Wenn die Fische eine vorhandene Flachwasserzone aufsuchen ist dies ein Alarmzeichen.

Wildlebende Karpfen hatten bei Wassertemperaturen von 3-6°C bis zu 70% Futter im Verdauungstrakt. Hauptbestandteil war Debris, also verrottendes organisches Material. Dies widerlegt den unsinnigen Mythos in der Koiszene „Koi können durch verrottendes Futter sterben wenn man sie unter 10°C füttert“.
 
Habe seid 2 Jahren eine Teichkamera im Teich und meiner Meinung nach verhalten die Koi sich bei 6 Grad genauso wie bei 24 ausser das sie halt bei 6 Grad alles viel viel langsamer machen und die Ruhephasen wo sie nix machen halt länger sind.
 
Veränderungen im Stoffwechsel, der Physiologie und der Energiebilanz der Koi bei niedrigen Wassertemperaturen Teil 2

Idealerweise passt man die Fütterung den Jahreszeiten an da der Nährstoffbedarf von Koi im Laufe des Jahres erheblich variiert. Beispielsweise ist Protein für das Wachstum notwendig, kann aber nur bei warmen Wassertemperaturen (über 15 °C) kaum verwertet werden. Daher füttert man im Sommer proteinreiches Futter, da die Koi das Protein für ihr Wachstum nutzen können. Im Winter hingegen ist proteinärmeres Futter ausreichend, da die Teichfische weniger aktiv sind und nicht an Größe zunehmen. Die Fütterung von proteinreichem Futter bei niedrigen Temperaturen kann den Koi sogar schaden. Unterhalb von etwa 10 °C werden nur wenige oder gar keine Proteine für das Wachstum genutzt. Einige werden möglicherweise ineffizient zur Energiegewinnung für Bewegungen usw. verwendet, aber der Großteil wird direkt durch den Fisch ausgeschieden. Die daraus resultierenden proteinreichen Ausscheidungen können sich bei ihrer Zersetzung negativ auf die Wasserqualität auswirken. Darüber hinaus beginnt die Verdauung von Proteinen zu Aminosäuren im vorderen Teil des Darms, wo das Enzym Pepsin seine Arbeit aufnimmt. Pepsin wirkt am besten unter sauren Bedingungen mit einem pH-Wert von 1,5 bis 2. Wenn ein Koi proteinreiche Nahrung zu sich nimmt und dann die Wassertemperatur sinkt, können die sauren Bedingungen im Magen zusammen mit erhöhten Pepsinwerten über einen längeren Zeitraum im vorderen Teil des Darms bestehen bleiben. Dies kann die Teichfische dem Risiko von Magengeschwüren und zukünftigen Infektionen aussetzen. Um diese beiden Probleme zu vermeiden, stellen viele Koi- und andere Teichfischhalter die Fütterung ihrer Fische einfach ein, wenn die Wassertemperatur unter 10 °C fällt. Die Theorie dahinter ist, dass die Fische die wenigen Nährstoffe, die sie benötigen, aus dem Teich und aus ihren gespeicherten Nahrungsreserven beziehen können. Während dies in einem natürlichen, bepflanzten Teich möglich sein mag, ist es unwahrscheinlich, dass in einem Koiteich ausreichend Nahrung vorhanden ist. Die Teichfische müssten sich daher auf ihre gespeicherten Reserven in Form von Fett- und Muskelgewebe verlassen. Eine Futterpause von 3 bis 4 Monaten im Winter würde dazu führen, dass die Koi im Frühjahr dünner und schwächer sind und somit später im Jahr anfälliger für Krankheiten werden.

Das Verhalten von Koi wird stark von der Temperatur des Wassers beeinflusst, in dem sie schwimmen. Je kälter das Wasser, desto weniger aktiv sind sie und desto weniger neigen sie dazu, zu fressen. Sie können sich jedoch an niedrige Temperaturen gewöhnen. Selbst bei Temperaturen von 5 bis 6 °C kann man beobachten, wie Koi an die Wasseroberfläche steigen, um zu fressen. Ihre Aktivitäten werden jedoch stark von Veränderungen der Wassertemperatur beeinflusst. Wenn die Wassertemperatur schnell von 12 °C auf 10 °C fällt, hören die Koi für eine Weile auf zu fressen, während sich ihr Körper an die niedrigere Temperatur gewöhnt. Steigt die Wassertemperatur hingegen von 5 °C auf 7 °C, fressen die Koi möglicherweise recht aktiv.
 
Veränderungen im Stoffwechsel, der Physiologie und der Energiebilanz der Koi bei niedrigen Wassertemperaturen Teil 3

Im Winter und insbesondere in flacheren Teichen können die beschriebenen Temperaturänderungen täglich auftreten, mit einem Anstieg während des Tages und einem Abfall in der Nacht. Es ist daher sinnvoll, die Koi und andere Teichfische nicht zu spät am Tag zu füttern, da die Wassertemperatur wahrscheinlich zu sinken beginnt, bevor die Fische die Nahrung verdauen können.

Hochwertige Weizenkeimfuttermittel bestehen größtenteils aus pflanzlichen Inhaltsstoffen und zeichnen sich durch einen höheren Ballaststoffgehalt aus. Der verdauliche Anteil des Futters wird vom Fisch schnell aufgenommen, aber vor allem passieren die übrigen Inhaltsstoffe den Darm schneller. Der höhere Pflanzenanteil reduziert auch die Menge an Pepsin, die im vorderen Teil des Darms produziert wird, und führt zu weniger sauren Bedingungen.

Wenn Sie Ihre Koi den ganzen Winter über mit einem solchen Futter füttern, wird dies den Zustand der Fische unterstützen, hat jedoch keinen Einfluss auf ihr Wachstum. Die im Futter enthaltenen Kohlenhydrate sind eine wichtige Energiequelle für die Fische und verhindern, dass sie ihre Reserven aufbrauchen müssen. Was den Weizenkeim betrifft, so ermöglicht er eine bessere Verwertung der anderen Inhaltsstoffe im Futter und ist gleichzeitig selbst eine wertvolle Nahrungsquelle.

Die Fütterung von Koi und anderen Teichfischen mit geeignetem Futter im Winter wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Fische im Frühjahr aus. Wenn die Fische ihre gespeicherten Nahrungsreserven nicht aufbrauchen mussten, sind sie in einer besseren körperlichen Verfassung. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass die Aminosäuren in Weizenkeimen das Immunsystem der Fische stärken und dafür sorgen können, dass sie Krankheitserreger bekämpfen können, die bei steigenden Wassertemperaturen im Frühjahr Probleme verursachen können.

In extremen Fällen kann das Nichtfüttern von Koi-Karpfen während eines langen Winters zu Vitamin- und Mineralstoffmangel führen. Dies kann sich auf vielfältige Weise äußern, darunter Lethargie, schlechte Kondition, Anfälligkeit für Krankheiten usw. Die Gabe von geeignetem Futter in kleinen Mengen kann helfen, diese Probleme zu bekämpfen.

Der wichtige Aspekt bei der Fütterung im Winter ist, dass Sie sehr sparsam füttern sollten. Es reicht aus, wenn die Teichfische innerhalb von 2 bis 3 Minuten alles fressen. Der Halter muss bedenken, dass er nicht füttert, um das Wachstum zu fördern oder die Färbung zu verbessern, sondern lediglich, um die Gesundheit der Koi zu erhalten.

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Beobachtung der Wasserparameter im Winter sehr wichtig. Besonders den pH, die Sauerstoffsättigung und den Ammoniumgehalt sollte man im Auge behalten um rechtzeitig reagieren zu können.
 
Das ganze Thema ist ja noch ein bisschen komplizierter. In einem Institut für Aquatisches Bio Ingenieurwesen und Aquakultur hat man 2022 Versuche und Studien durchgeführt, unterstützt und finanziert durch irgendeine EU Abteilung.
Da gab es drei Gruppen. Eine die von Oktober bis Mai nicht gefüttert wurde wie das in der Karpfenzucht ebenso wie in vielen Koiteichen üblich ist. Eine mit klassischen Winter Futter von 30 % Protein/8 % Fett und eine Gruppe, wo Sommer Futter von 42 % Protein und 11 % Fett gefüttert wurde.
Nicht nur Kiemen, Haut, Darm und Schleimhäute waren negativ verändert bei der ersten Gruppe, dort gab es auch eine Sterblichkeitsrate von 30 %. Bei beiden anderen Gruppen betraf die Sterblichkeitsrate unter 1 % bis 1,5 %. Bei beiden Gruppen mit den entsprechenden unterschiedlichen Futterwerten waren Kiemen, Darm, Wachstum, Haut und allgemein Gesundheit relativ gleich gut. Diese Studie geht davon aus, dass dieses leicht verdauliche Futter nicht zwingend erforderlich ist und eher aus der human Denkweise stammt.
Für mich interessant und etwas, dass ich auch aus der Praxis sehr gut bestätigen kann, ist die Tatsache, das von den nicht gefütterten Karpfen im zweiten und dritten Jahr durch Krankheiten und Parasitosen jeweils um die 10 % im Sommer starben. Die anderen hatten wieder nur sehr geringe Sterblichkeitsraten.

Ich kenne tatsächlich etliche Teiche, die aus welchem Grund auch immer, ihre Fische im Winter mit dem normalen Sommer Futter weiter füttern. Und erstaunlicherweise sind diese Fische fit und gesund. Die kriegen dann nur weniger und es scheint ihnen nicht zu schaden.
 
Das ganze Thema ist ja noch ein bisschen komplizierter. In einem Institut für Aquatisches Bio Ingenieurwesen und Aquakultur hat man 2022 Versuche und Studien durchgeführt, unterstützt und finanziert durch irgendeine EU Abteilung.
Dieses Forschungsprojekt war Teil des EU-Horizont-2020-Projekts GAIN. Dieses Projekt wurde aus Mitteln des Förderprogramms „Horizont 2020“ der Europäischen Union finanziert, Fördervereinbarung Nr. 773330 (GAIN).

Allerdings muss man den Ansatz der Zusammensetzung des Futters in dieser Studie unter dem Gesichtspunkt Nutzen für die Karpfenzucht beachten.

Man könnte noch einige Punkte anführen warum eine Fütterung im Winter vernünftig ist. Z.B. die Tatsache, dass ein Fütterungsstop bereits nach 7-10 Tagen - egal zu welcher Jahreszeit - eine ideale Ausgangssituation für das Bakterium Flavobacterium columnare ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hello again,

hier tut sich schon etwas, toll!!

Ich hatte ja schon angekündigtvielleicht ein neues Thema, z.B. "Fütterung der Koi im Winter"zu eröffnen. Ich bin auch gern weiterhin dazu bereit und bleibe mitInteresse dabei. Unter einer Bedingung.


Mir fällt auf, dass hier Positionen vertreten sind, die jeweilsauf Erfahrung, Beobachtung oder fachlicher Interpretation beruhen.Das ist bei komplexen biologischen bzw. wasserchemischen Themenvöllig normal – führt aber schnell dazu, dass wir eherStandpunkte verteidigen, als gemeinsam Erkenntnisse zu gewinnen. Ichhabe das schon mal durchgestanden. Ich sage nur "Salz"
Vielleicht hilft es, wenn wir den Fokus bewusst verschieben:
nichtauf die Frage „Wer hat recht?“,
sondern auf „Welche Aussagen lassen sich fachlich belegen, und wo unterscheiden sich die Annahmen?“


Konkret schlage ich vor:

  1. Trennung von belegbaren Fakten und Interpretation
    Messwerte, Studien, Literatur, reproduzierbare Beobachtungen einerseits – persönliche Erfahrung und Schlussfolgerungen andererseits.

  2. Gemeinsame Basis herausarbeiten
    Gibt es Punkte, bei denen grundsätzlich Einigkeit besteht (z. B. biologische Zusammenhänge, bekannte Wirkmechanismen) ?

  3. Laßt uns offene Fragen klar benennen
    Statt ständig gegeneinander zu argumentieren:
    Welche Aspekte sind tatsächlich noch nicht eindeutig geklärt?
    Wo liegen die unterschiedlichen Annahmen oder Randbedingungen?

Mir geht es nicht darum, irgendeine Position „zu gewinnen“,sondern zu einem fachlich nachvollziehbaren, evidenzbasierten Ergebnis zu kommen, das auch für andere Koihalter, Möchtegernexperten, Heilpraktikern und Händlern hilfreich und verständlich ist.


Wenn wir das sachlich und strukturiert angehen, können wir – unabhängig von persönlichen Erfahrungen – alle gemeinsam Erkenntnisgewinn erzielen. Unsere Koi/Karpfen werden davon sicher profitieren.


Wenn ihr wollt? Gebt mir ein Zeichen.
 
Mir fällt auf, dass hier Positionen vertreten sind, die jeweilsauf Erfahrung, Beobachtung oder fachlicher Interpretation beruhen..
die letzten Beiträge von Mikrobiologie und mir haben nichts mit Erfahrung, Beobachtung oder Interpretation zu tun, sondern sind Auszüge bzw. Zusammenfassungen von Studien und Wissenschaftlichen Untersuchungen von Fischereiinstituten und andere mit Fischzucht betrauten Universitäten. Dass es sich hier um Studien aus der Karpfenzucht handelt und nicht aus der Koi Haltung, hat damit zu tun, dass fast alles, was wir über haltung, Krankheiten und sonstigem eben aus diesen Bereichen stammen. Es gibt nicht allzu viele, bezahlte Studien über einen Zierfisch, so dass wir vielfach auf Forschungen von Karpfen und über Karpfen zugreifen müssen.
 
Konny, den Schuh musst du dir ja nicht anziehen, Microbe auch nicht. War auch nicht so gemeint. Die Zielsetzung sollte doch klar sein, oder? Wohl auch der Weg dort hin.
 
Bin seit Längerem stiller Mitleser, aber muss mich hier mal melden. Interessantes Thema, nur würde ich mich freuen, wenn bei solchen Aussagen auch die wissenschaftlichen Quellen angegeben werden, sodass diese auch klar nachvollziehbar sind.
 
wissenschaftlichen Quellen angegeben werden, sodass diese auch klar nachvollziehbar sind.
sicherlich ein guter Hinweis, nur bedarf es auch ein entsprechendes Verständnis um es brauchbar nach zu vollziehen.

Ich hab hier mal einen Bericht von Dr. Bretzinger der an Hand einer älteren Studie aus 1969 und den heutigen Stand von Futter
einen für mich doch guten Leitfaden für den Koihalter darstellt. Wie gesagt Leitfaden.

 
Ein Glück, dass er die Quelle genannt hat. Sonst würde man das vielleicht ja auch wieder in Frage stellen. Oder ist ein Doktortitel schon ausreichend als Quelle?

Ich frag für einen Freund. *Ironie aus*
 
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