Kaufe dir neue Lehrbücher.

Die Kennzahlen für Nasen, Gründlinge und Karpfen sind nahezu identisch bezüglich Sauerstoffbedarf.
Nein, das stimmt
nicht. Wer auch immer behauptet hat, du solltest dir "neue Lehrbücher kaufen", sollte seine eigenen vielleicht noch einmal aufschlagen.
Die Behauptung, die Kennzahlen für den Sauerstoffbedarf von Nasen, Gründlingen und Karpfen seien „nahezu identisch“, ist biologisch schlichtweg falsch. Die ursprüngliche Aussage – dass Karpfen wesentlich robuster sind, was den Sauerstoffbedarf angeht – ist absolut korrekt.
Hier ist die tatsächliche biologische Realität:
1. Karpfen (Cyprinus carpio): Die Überlebenskünstler
Karpfen sind typische Bewohner der
Brachsenregion und von stehenden Gewässern (Teiche, Seen). Diese Gewässer erwärmen sich im Sommer stark, was physikalisch bedingt zu einem drastischen Abfall des gelösten Sauerstoffs führt.
- Sauerstoffbedarf: Sehr gering. Karpfen sind extrem hypoxietolerant (widerstandsfähig gegen Sauerstoffmangel). Sie können kurzfristig sogar Werte von 1 bis 2 mg/l überleben, indem sie ihren Stoffwechsel anpassen oder an der Wasseroberfläche "Notatmung" betreiben.
2. Nasen (Chondrostoma nasus): Die Strömungsliebhaber
Nasen sind rheophile (strömungsliebende) Fische. Wie richtig angemerkt wurde, sind sie Leitfische der Barbenregion und kommen auch in der
Äschenregion vor. Das sind schnell fließende, kühle und stark sauerstoffgesättigte Fließgewässer.
- Sauerstoffbedarf: Sehr hoch. Nasen benötigen in der Regel einen Sauerstoffgehalt von > 6 bis 7 mg/l, um dauerhaft gesund zu bleiben. Sinken die Werte in Richtung 4 mg/l, geraten sie in massiven, oft tödlichen Stress. Sie haben nicht die physiologischen Mechanismen eines Karpfens, um mit wenig Sauerstoff umzugehen.
3. Gründlinge (Gobio gobio)
Gründlinge sind zwar etwas anpassungsfähiger und kommen von der Forellen- bis zur Brachsenregion vor, bevorzugen aber klare, fließende Gewässer mit kiesigem Grund.
- Sauerstoffbedarf: Mittel bis hoch. Sie sind robuster als Nasen, aber bei Weitem nicht so extrem widerstandsfähig gegen Sauerstoffmangel wie Karpfen.
Warum geht es den Nasen und Gründlingen dann noch gut?
Der Einwand
(„ja, laut Lehrbuch müssten die fast schon tot sein“) beruht auf einem klassischen Denkfehler bezüglich künstlicher Gewässer:
In der freien Natur bedeutet eine Wassertemperatur von z. B. 25–27 °C in der Regel gleichzeitig einen
akuten Sauerstoffmangel, weil warmes Wasser weniger Sauerstoff binden kann und biologische Abbauprozesse mehr Sauerstoff zehren. Daran würden Fische der Äschenregion sterben.
In einem gut gefilterten Teich (mit starker Umwälzung, Trommelfilter, Wasserfällen oder Belüfterpumpen) wird das Wasser jedoch
künstlich mit Sauerstoff gesättigt. Solange der physikalisch maximal mögliche Sauerstoffgehalt durch Technik am oberen Limit gehalten wird, tolerieren auch sauerstoffbedürftige Fische wie Nasen erstaunlich hohe Temperaturen. Sie sterben nicht an der Wärme selbst, sondern sie würden an dem Sauerstoffmangel sterben, der in der Natur unweigerlich mit dieser Wärme einhergeht.
Fazit: Derjenige, der gesagt hat, Karpfen seien robuster, hat recht. Die Kennzahlen sind nicht im Entferntesten identisch. Lass dir da keinen Bären aufbinden